Reinraumreinigung - Was Räume und Putzpersonal gemeinsam haben

Reinraumreinigung stellt hohe Anforderungen an Reinigungspersonen, Material und Methodik. In sensiblen Produktions- und Laborumgebungen entscheiden sie direkt über Produktqualität oder Patientensicherheit. Neben technischen Standards sind klar definierte Prozesse und gut ausgebildetes Personal unerlässlich. Dieser Beitrag zeigt, welche Voraussetzungen die Reinigung der Räume erfüllen muss und welche Kompetenzen Reinigungskräfte in den Regionen Zürich, Aargau und Zug mitzubringen haben.IMG-20201026-WA0009

Für die Reinraumreinigung bestehen spezielle Ausbildungen, die von der Zentralen Paritätischen Kommission Reinigung (ZPK Reinigung) unterstützt und gefördert werden. 

Noch bevor die erste Maschine anläuft, gleitet ein leises Wischtuch über den Boden. Die Luft scheint stillzustehen, jede Bewegung wirkt verlangsamt, als würde sie unter einem unsichtbaren Mikroskop stattfinden. Ein einzelnes Staubkorn könnte hier über die Qualität eines Medikaments oder die Funktion eines Implantats entscheiden. Reinraumreinigung ist deshalb kein gewöhnlicher Putzvorgang – sie ist Präzisionsarbeit an der Grenze des Sichtbaren. 

Was sind Reinräume? Reinräume sind keine «besonders sauberen Zimmer», sondern kontrollierte Produktions- und Arbeitsumgebungen. Ob Pharma, Medizinaltechnik, Mikroelektronik oder Labor: Die Reinraumreinigung ist Teil der Qualitätssicherung der Unternehmen. Sie steht in der Schweiz je nach Branche unter klaren regulatorischen Anforderungen wie zum Beispiel der ISO-Norm 14644 zur Reinraumklassifizierung. 

1. Anforderungen an den Raum: reinigungsfreundlich, kontrollierbar, dokumentierbar 

Wie sollen Oberflächen und Materialien beschaffen sein? Rüya Yildirim, Leiterin Spezialreinigung von BFS Gebäude Service: «Böden, Wände, Decken und Einbauten müssen glatt, abriebarm, porenarm und chemikalienbeständig sein, damit sich Partikel und Mikroorganismen nicht festsetzen und Reinigungs-/Desinfektionsmittel die Materialien nicht schädigen. Fugen, Kanten und Durchdringungen sind konstruktiv zu minimieren; wo sie nötig sind, müssen sie dicht und leicht zu reinigen sein.» 

Die technische Reinraumfunktion (Luftführung, Luftwechsel, Filterung, Druckkaskaden, Temperatur/Feuchtigkeit) ist eng mit der Reinigung verknüpft: Die Reinigung darf keine unnötige Partikelaufwirbelung erzeugen. Und die Raumzonen (z. B. Schleusen, Materialtransfer) müssen so organisiert sein, dass Kontamination nicht «zurückgetragen» wird. 

Von Reinigungs- und Desinfektionskonzepten wird ein schriftlich festgehaltener, risikobasierter Plan erwartet: Was wird wo in welcher Frequenz mit welcher Methode gereinigt/desinfiziert; inklusive Verantwortlichkeiten, Freigabekriterien und Abweichungsmanagement. Gerade in Good-Manufacturing-Practice-(GMP) Umgebungen wird Reinigung als eigenständiger, streng kontrollierter Prozess verstanden. 

Für regulierte Bereiche gilt: «Nicht dokumentiert» ist gleichbedeutend wie «nicht gemacht». Reinigungspläne, Checklisten, Chargen-/Bereichsprotokolle, Mittel- und Gerätefreigaben sowie Schulungsnachweise gehören in der Reinraumreinigung zum Standard. In qualitätskritischen Bereichen verlangen Unternehmen und Organisationen zudem oft einen Eignungsnachweis respektive Validierungsansatz. 4758ca_5773dd0c4c894924a67e1c2ff5e97ac4~mv2 (1)Rüya Yildirim, Leiterin Spezialreinigung von BFS Gebäude Service

2. Anforderungen an die Menschen: Verhalten, Hygiene, Kompetenz

Die grösste Kontaminationsquelle im Reinraum ist meistens der Mensch. Deshalb sind neben der Technik vor allem Verhaltensregeln zentral: korrekte Schleusenabläufe, langsame Bewegungen, kein unnötiges Sprechen, definierte Materialflüsse und strikte Trennung von «rein» und «unrein». 

Ferner dient die Reinraumbekleidung nicht nur zum Schutz der Reinigungsperson, sondern vor allem dem Produktschutz. «BFS Gebäude Service schult die Vorgaben zu Ankleidereihenfolge, Handschuhwechsel, Maskensitz und Bekleidungswechselintervallen intensiv», betont Rüya Yildirim.

Überdies bringt die Reinigung chemische und ergonomische Risiken mit sich. In der Schweiz sind bei gefährlichen Stoffen u. a. Sorgfaltspflichten und klare Instruktionen essenziell. Das sogenannte STOP-Prinzip beschreibt die Rangfolge von Schutzmassnahmen zur Vermeidung von Gefahren. Man soll nämlich Gefahren stets zuerst an der Quelle bekämpfen: 

  • Mittels Substitution (S) werden gefährliche Stoffe oder Reinigungsmittel durch weniger gefährliche ersetzt

  • Gefahren sind durch technische Massnahmen (T) einzudämmen, z. B. geschlossene Systeme, Automatisierung

  • Dank guter Organisation (O) sind Abläufe und Regeln festzulegen wie Schulungen, Arbeitsanweisungen, Zeitbegrenzungen

  • Schutz durch persönliche Schutzausrüstung (P) wie Schutzkleidung, Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz
3. Eine Weiterbildung für die Reinraumreinigung ist obligatorisch

Dass eine speziell auf die Raumreinigung ausgerichtete Weiterbildung in zwei Tagen absolviert werden kann, passt gut zur Praxis: In kurzer Zeit lassen sich die entscheidenden Kompetenzen bündeln; Reinraumgrundlagen (Partikel/Mikrobiologie), Zonen- und Schleusenregeln, richtige Wischtechnik (von «oben nach unten», von «rein nach weniger rein»), Mittel- und Gerätehandhabung, Dokumentation. Danach zählen vor allem die standardisierte Routine, regelmässige Wiederholungskurse und eine Führungskultur, die Sauberkeit als Prozess versteht – nicht als einmalige Aktion. 

In der Schweiz spielt dabei die ZPK Reinigung eine wichtige Rolle. In ihren regionalen Sektionen stellt sie ein vielfältiges Kursangebot zur Verfügung, das sich sowohl an Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger als auch an erfahrenes Fachpersonal richtet. Finanziert wird dieses Weiterbildungsangebot unter anderem über einen Teil der Vollzugskostengelder, die gemäss Artikel 20 des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) ausdrücklich zur Förderung der Weiterbildung in der Reinigungsbranche eingesetzt werden. Damit stellen spezialisierte Schulungen sicher, dass Betriebe und Mitarbeitende das fachliche Niveau langfristig steigern können. 

«Wenn am Ende des Tages das Licht erlischt und die Türen sich schliessen, bleibt ein Raum zurück, der nichts von der stillen Arbeit verrät, die unsere Mitarbeitenden in ihm geleistet haben. Doch genau diese unsichtbare Perfektion ist es, die dafür sorgt, dass Prozesse sicher, Produkte einwandfrei und Menschen geschützt bleiben», hebt Rüya Yildirim hervor.

Fazit
In einer kontrollierten Umgebung entscheidet nicht Kraft, sondern Sorgfalt – und jedes Detail wird zum entscheidenden Faktor für Sicherheit und Qualität. Überdies bedeutet Reinraumreinigung in der Schweiz: Räume müssen reinigungsfähig gebaut und Abläufe sauber geführt werden. Ferner müssen Menschen so ausgebildet sein, dass sie Technik, Hygiene und Dokumentation gleichermassen beherrschen. 

Bringen Sie Ihre Reinräume auf das höchste Niveau und kontaktieren Sie die Experten für professionelle Reinraumreinigung. Bei uns erhalten Sie die volle Unterstützung.

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